Forscher erkunden Wiens Untergrund

Jetzt geht es los – Die wissenschaftlichen Untersuchungen von GeoTief Wien für mehr umweltfreundliche Wärme starten.

In Wien wird bereits sehr umweltfreundlich geheizt, und es soll weitere Verbesserungen geben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es im Osten Wiens große Heißwasservorkommen, die für Wärme (Geothermie) genutzt werden könnten. Um das genau herauszufinden, erkunden Forscher des Projekts GeoTief Wien nun erstmals den geologischen Untergrund.

Dazu finden ab 20. Februar so genannte seismische Messungen statt. Begonnen wird im Gebiet der Seestadt Aspern. Die Messfahrzeuge bewegen sich danach auf der so genannten Linie Wittau entlang. Etwa ab der zweiten Märzwoche geht es auf der zweiten Messstrecke vom 22. Bezirk bis Ende März in das Gebiet um Raasdorf.

Dr. Peter Seifert, Direktor Geologische Bundesanstalt und Vorsitzender des Projektbeirats von GeoTief Wien: „Alle bisherigen geologischen Daten und Erhebungen lassen darauf schließen, dass im Projektgebiet gute Voraussetzungen für die Erschließung großer Heißwasservorkommen in den tiefliegenden Erdschichten ab 3.000 Meter herrschen. Das gilt es nun durch Messungen entlang von Messlinien (2D-Seismik) und in weiterer Folge flächenhaft (3D-Seismik) zu verifizieren und zu präzisieren.“

DI Karl Gruber, technischer Geschäftsführer von Wien Energie: „Uns geht es bei dieser Forschung um Klimaschutz und die Erhebung von Potenzialen für die saubere Wärmeversorgung von Wien. In den nächsten Jahren werden wir so ein genaues, dreidimensionales Abbild des Wiener Untergrunds erhalten. Danach gilt es zu entscheiden, ob eine Investition in die geothermische Erschließung strategisch, finanziell und vom Umweltstandpunkt zielführend ist.“

Seismische Messungen an der Erdoberfläche

Seismische Messungen werden seit Jahrzehnten überall auf der Welt durchgeführt, um die geologischen Strukturen und Gesteinsschichten im Untergrund zu erkunden. Mit Seismik-Messungen kann der Untergrund wie mit einem Echolot untersucht werden. Die Messungen finden ausschließlich an der Erdoberfläche statt. Entlang von Straßen und Wegen werden Schwingungen in die Tiefe gesandt. Das Signal wird im Untergrund reflektiert und von Sensoren aufgezeichnet.

Ablauf der seismischen Messungen

Der gesamte Prozess läuft für die Öffentlichkeit transparent ab. Die Bevölkerung wird laufend vor Ort informiert. Die Anrainer und Eigentümer von Grundstücken, auf denen gemessen wird, werden über den Ablauf informiert. Zum Projektstart markiert das GeoTief Wien-Team das Gelände, auf dem die

Messungen stattfinden. Danach legen Experten spezielle Sensoren aus. Diese sind mit Kabeln und einem Messgerät untereinander verbunden. Die im Untergrund reflektierten Signale werden aufgezeichnet. Die Kabel werden zumeist an Wegen und Straßenrändern entlang der Messlinie ausgelegt. Ein kleiner Wanderkonvoi aus Impulsfahrzeugen zieht – begleitet von der Verkehrssicherung – durch das Messgebiet. Nach Abschluss der Messungen werden sämtliche Markierungen, Kabel und Sensoren wieder entfernt.

Was gilt es als Anrainer zu beachten

Wenn man in der Nähe ist, werden die Betriebsgeräusche der – aus drei bis vier Messfahrzeugen bestehenden – Erkundungsflotte voraussichtlich rund 30 bis 60 Minuten lang zu hören sein, ähnlich wie das bei kleineren Bauprojekten vorkommen kann. Durch die Erkundungsfahrzeuge kann es möglicherweise auch zu kurzfristigen Verkehrsbehinderungen kommen. Der Konvoi ist auf Straßen unterwegs und bewegt sich wie eine Art „Wanderbaustelle“.

Genaues Abbild des Untergrunds

Mit den seismischen Messungen kann ein Abbild des Untergrunds erstellt werden, welches Informationen über die Lage und Größe von potentiellen wasserführenden Gesteinsschichten im Untergrund liefert. Die Ergebnisse werden mit modernster Rechnertechnik und dem Fachwissen von Experten wissenschaftlich ausgewertet und mit bisher bekannten Daten zusammengeführt. Es entsteht so ein Abbild der geologischen Schichten im vermessenen Gebiet.

Vorbild München

Erst in den vergangenen Jahren ist man in Europa in der Geothermie zu eigens durchgeführten, hochauflösenden 2D- und 3D-Seismik-Messungen übergegangen. Die Stadt München hat im Jahr 2015 erfolgreich derartige Seismik-Messungen durchgeführt. Diese dienen als Vorbild für das Projekt GeoTief Wien.